Regionale 2025

Projektschau

Limmattal

PLAY!

4 Städte, 12 Gemeinden, 2 Kantone – vereint und gemeinsam.

Neue Ideen für Gesellschaft, Raum und Kultur.

Wegweisende Projekte für ein vernetztes Limmattal.

Eine Plattform für Menschen, die das Limmattal gestalten.

Impulsgeberin und Motor für die Region.

projektstory

Sound des Lim­mat­tals

Mittelalterliche Musik im Manor-Restaurant, moderner Tanz in der Kirche oder Salsa am Flussufer – wer hat so etwas schon erlebt? Wohl die wenigsten. Doch künftig wird es das öfter geben. Dank des Projekts «Klangteppich Limmattal».


Die Scheinwerfer brennen, das Publikum wartet, die Spannung steigt – und die Show beginnt. Was gemeinhin auf Konzertbühnen und in Kleinkunstkellern geschieht, wird fortan auch in Limmattaler Unterführungen oder Bahnhöfen zustande kommen. Das Projekt «Klangteppich Limmattal» bringt Musik, Gesang und Tanz zur Aufführung. Und das mitten im Alltag, ganz nah bei den Menschen.

«Wir rollen einen kulturellen Teppich über das Tal aus», beschreibt Jutta Freiwald – sie leitet das Projekt – die Idee hinter dem Vorhaben. «Der Teppich steht sinnbildlich für Knoten und Fäden, die zwischen Limmattaler Kulturschaffenden entstehen. Musikerinnen, Sänger und Tänzerinnen begegnen sich, entwickeln gemeinsam Neues – kreieren also neue Teppichmuster – und stellen das Ergebnis der Bevölkerung an ungewöhnlichen Orten vor.»

Ein Vorgeschmack auf dieses Neue lieferten die sogenannten Klangblitze, Kurzauftritte unterschiedlicher Künstlerinnen und Künstler, die im Rahmen der letztjährigen Zwischenschau der Regionale 2025 stattfanden. «Mit diesen einmaligen Darbietungen konnten wir erstmals auf unsere Arbeit hinweisen», erklärt Freiwald. «Die Klangblitze fanden grossen Anklang. Es ergaben sich nicht nur neue Begegnungen zwischen den Kulturschaffenden, auch mit dem Publikum setzte ein Dialog ein. Das war uns wichtig – und auf diesen Erfahrungen bauen wir nun auf.»

Klangblitz in Urdorfer Kirche
Zu einem nicht alltäglichen Klangblitz kam es in Urdorf. Die Tanz-Fabrik schloss sich dem ökumenischen Kirchenchor Urdorf an und bereicherte eine Messe in der katholischen Kirche – und zwar mit modernem Tanz. Die Tanz-Fabrik ist eine Schule, die von Sarah Heldner 2006 gegründet worden ist und die mittlerweile an sechs Standorten in der Deutschschweiz präsent ist, zwei davon im Limmattal. Die Tanz-Fabrik ist auf Urban Dance, Hip-Hop, Street- und Breakdance spezialisiert.

«Unseren Klangblitz hat die Urdorfer Kulturkommission angeregt», erinnert sich Sarah Heldner, die die Tanz-Fabrik seit der Gründung führt und dort selbst als Tanzlehrerin wirkt. «Viele vermuten einen Gegensatz zwischen modernem Tanz und Messe mit Chor. Doch moderner Tanz ist nicht nur wild und extrem, er kann auch weich und gefühlsbetont sein. Wir haben den besinnlichen Gesang der Messe in feine, anmutende Tanzbewegungen übersetzt und damit eine Symbiose von Klang und Bewegung geschaffen. Da der Kirchenchor die Toggenburger Messe mit ihren eher volkstümlichen Klängen sang, war die Aufgabe besonders reizvoll. Darüber hinaus wurde der Chor von Klarinette, Orgel und Hackbrett begleitet und wir mussten die Vorgaben der Liturgie berücksichtigen. Das war eine Herausforderung, die wir aber gern angenommen haben.»

Eine grosse Vorbereitungszeit dazu hatten Chor, Pfarrei und Tanz-Fabrik allerdings nicht. «Wir haben das Projekt in vier Wochen auf die Beine gestellt», verrät Heldner. «Sämtliche Beteiligten standen dem Projekt sehr positiv gegenüber und waren von der Idee sofort begeistert. Mit dieser Zusammenarbeit haben wir etwas Neues ausprobiert, das auf die Messebesucherinnen und -besucher anfangs vielleicht etwas überraschend wirkte, aber am Ende für ein durchweg sehr positives Echo sorgte. Für die Tanz-Fabrik war dieser Klangblitz eine interessante Erfahrung. Wir sind auch etwas stolz darauf!»

Klangblitz in der Kirche Urdorf


Musik ist Inspiration
Sarah Heldner wuchs in Urdorf auf und kennt das Limmattal sehr gut. Sie unterstreicht: «Menschen tanzen, singen und musizieren. Darin spiegelt sich ihre Lebensart, ihre Kultur! Und dadurch erhält eine Region ein ‹kulturelles Gesicht›. Ich bin überzeugt, dass wir mit dem Klangteppich in der Lage sind, das ‹kulturelle Gesicht› des Limmattals auf neue Weise zu erfahren. Mit unserem Klangblitz konnten wir das zumindest zeigen.»

Was Heldner damit anspricht, ist die Vielfalt des kulturellen Schaffens im Limmattal: «Ebenso vielfältig wie das Limmattal ist auch seine Kultur», ist sie überzeugt. Jutta Freiwald, die Projektleiterin des Klangteppichs, stimmt dem uneingeschränkt zu: «Gerade die Vielseitigkeit des musikalischen Schaffens ist gross und deshalb ist vieles möglich. Musik verbindet unabhängig von Alter, Hintergrund und Herkunft. Musik ist Inspiration und Inspiration dient dazu, die regionale Identität wahrzunehmen und zu vertiefen.»

Sarah Heldner macht einen zweiten zentralen Aspekt deutlich: «Der Klangteppich kann helfen, bestehende Barrieren aufzuweichen und Berührungsängste abzubauen. Vieles kann dadurch neu und anders, spannend und kreativ werden.» Das Projekt schlägt neue Brücken und öffnet geschlossene Türen. Es bringt Dinge und Menschen zusammen, die in der Regel nicht zusammengehen respektive nicht zusammenkommen.

Und: «Der Klangteppich animiert Limmattalerinnen und Limmattaler dazu, sich mit dem Tal zu beschäftigen», fügt Freiwald an. «Durch die interkantonale Zusammenarbeit wirkt der Klangteppich auch weit über die Grenzen des Limmattals hinaus. Das kommt dem Tal auf vielen Ebenen zugute.»

Im Moment ist das Projekt in der Aufbauphase. «Wir sind damit beschäftigt, Personen in den Limmattaler Gemeinden zu suchen, sogenannte Ortsverantwortliche. Sie werden sich vor Ort für unser Projekt einsetzen», so Freiwald. «So entsteht ein Netzwerk, auf das wir zurückgreifen können und das unsere Bekanntheit vor Ort erhöht.»

Die Klangblitze sollten nach der letztjährigen Durchführung wiederholt werden. «Die Corona-Pandemie machte uns aber einen Strich durch die Rechnung. Wir haben die zweite Durchführung verschoben. Erst Ende September 2022 werden erneut Klangblitze das Tal erfreuen. Zudem suchen wir weiterhin Gönnerinnen und Gönner, Personen und Institutionen, die unsere Idee unterstützen. Wer Lust hat, mitzumachen, sollte sich unbedingt bei uns melden. Durch uns erhält das Image des Limmattals einen eigenen Soundtrack!»

Das Projekt

Der «Klangteppich Limmattal» ist eine Plattform der Begegnung und Zusammenarbeit. Das Projekt steht allen Limmattaler Kulturschaffenden aus Musik, Gesang und Tanz offen, egal, ob Hobbytänzerin oder Berufsmusiker. Es wurde von Brigitta Johner, Präsidentin der Regionale 2025, initiiert und ist mittlerweile für die Projektschau im Jahr 2025 nominiert. Mit den Klangblitzen erfuhr das Projekt 2019 erstmals starke Beachtung. Klangblitze sind Miniauftritte von Kulturschaffenden an überraschenden Orten. Daneben sind Klangtandems geplant: Zusammenschlüsse von Musikvereinen, Tänzerinnen oder Solisten, die üblicherweise nicht zusammenkommen, aber für den Klangteppich einen gemeinsamen Auftritt planen. So begleitet der Spreitenbacher Laienmusiker vielleicht die Solo-Profitänzerin aus Ennetbaden oder Poetry Slam aus Weiningen umrahmt den Auftritt des Kammermusikduos aus Neuenhof. Hinter dem Projekt steckt der Verein Klangteppich (klang-teppich.ch).

Jutta Freiwald, Projektleiterin

Die 53-jährige Jutta Freiwald ist freischaffende Kulturmanagerin und Chorleiterin aus Leidenschaft. Seit 2006 wohnt sie in Zürich und seit 2018 agiert sie als Projektleiterin des Vereins Klangteppich. Sie freut sich auf zahlreiche spannende Kooperationen zwischen Kulturschaffenden im September 2022.

 

Sarah Heldner, Inhaberin Tanz-Fabrik

Die 38-jährige Sarah Heldner gründete 2006 die Tanz-Fabrik, nachdem sie sich als aktive Eiskunstläuferin schon früh fürs Tanzen begeistert hatte. Sie hat sich in verschiedenen Tanzstilen als Ausbildnerin sowie in den Bereichen Marketing und Kommunikation weitergebildet. Momentan befindet sie sich in der Gründung ihrer sechsten Tanzschule in Uster.