Regionale 2025

Projektschau

Limmattal

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4 Städte, 11 Gemeinden, 2 Kantone – vereint und gemeinsam.

Neue Ideen für Gesellschaft, Raum und Kultur.

Wegweisende Projekte für ein vernetztes Limmattal.

Eine Plattform für Menschen, die das Limmattal gestalten.

Impulsgeberin und Motor für die Region.

Gesellschaft und Kultur

Unsere Thermen

Im Limmattal – bei Baden und Ennetbaden – befinden sich Bäder mit einer reichen Geschichte. Das Projekt «Heisser Brunnen» knüpft an diese Geschichte an und gestaltet so die Zukunft der Thermalquellen mit.


Am Anfang waren römische Legionäre da. Sie tauchten ihre geschundenen Körper in das wohltuende Thermalwasser der Siedlung «Acquae Helveticae». Die Siedlung war nur wenige Kilometer von ihrem Legionslager in Vindonissa (heute: Windisch) entfernt. Das war vor 2000 Jahren.

Rund um die Thermalquellen entstanden Gasthöfe und Übernachtungsmöglichkeiten. Es wurde Handel getrieben. Handwerksbetriebe siedelten sich an, und Wohngebäude wurden errichtet. Die Siedlung «Acquae Helveticae» entwickelte sich weiter – und im Laufe der Jahrhunderte ging daraus die Stadt Baden hervor.

Die Bedeutung der Thermalquellen blieb in all den Jahrhunderten unverändert. Menschen fuhren zum Heilbaden nach Baden – daher der Begriff «Badenfahrt». Genau genommen ging es dabei nicht nur ums Heilbaden. Die Bäder am Limmatknie genossen den Ruf, ein Ort der Lebensfreude zu sein. Männer und Frauen badeten gemeinsam. Man traf sich im Bad und vergnügte sich im und rund um das Wasser.

Ennetbaden war lange Zeit Teil der Stadt Baden. Erst 1819 wurde Ennetbaden von der Stadt losgelöst. 1847 nahm die erste Eisenbahnstrecke der Schweiz ihren Betrieb auf – sie führte von Zürich nach Baden. Gäste aus aller Welt fanden den Weg ins Limmattal. Gleichzeitig veränderten sich die Badesitten. Es wurde nicht mehr vergnügt und ausgelassen gebadet, sondern das Kuren stand im Vordergrund. Die neue Kundschaft bestand vornehmlich aus Kurgästen.

Seither ist vieles passiert. Andere Thermalkurorte wurden erschlossen. Die Industrialisierung veränderte die Region Baden grundsätzlich. Und es gab zwei Weltkriege. Die Thermalquellen am Limmatknie verloren an Bedeutung. Der klassische Kurgast blieb zusehends weg, was dazu führte, dass Gasthäuser und Hotels ihre Tore schliessen mussten. Eine Ära fand ihr Ende.

Zurück zu altem Glanz
Seit einigen Jahren wird an einem neuen Kapitel der Geschichte der Bäder von Baden und Ennetbaden geschrieben. Pius Graf ist Gemeindeammann von Ennetbaden und erklärt: «Wir verfolgen dabei hohe Ambitionen. Unsere Bäder liegen mitten in der Stadt und mitten im Limmattal – und nicht im Grünen oder in den Alpen. Ausserdem stellt der heutige Gast ganz andere Ansprüche als früher.»

Der Gemeindeammann spricht damit die Herausforderungen der Neuausrichtung an. Andererseits zählt er einige der Trümpfe auf: «Wir können tolle Anbindungen an die grossen Schweizer Städte und den Flughafen Zürich bieten. Wir haben den Verkehr ausgelagert. Und wir sind daran, das Bäderquartier neu zu gestalten.»

Das sieht Markus Schneider sehr ähnlich. «Wir müssen die grossen Vorzüge der Stadt und der Region stärker hervorheben», fügt der Stadtammann von Baden hinzu. «Der Badegast soll zum Baden zu uns fahren. Er soll aber auch die nahe Umgebung entdecken, denn diese wartet mit vielen Sehenswürdigkeiten und viel Kultur auf.»

Wichtig für die Wiederbelebung der Bäderstadt ist das neue öffentliche Thermalbad. Entworfen hat es Mario Botta, der Tessiner Stararchitekt. Der Spatenstich fand letzten Frühling statt. «Wir fiebern der Eröffnung im Herbst 2020 entgegen», sagt Graf. «Neben dem Thermalbad entstehen eine neue Präventions- und Rehabilitationsklinik mit Restaurant und Bar sowie ein neues Ärzte- und Wohnhaus.»

Diese Vorhaben werden das betreffende Stadtgebiet massgeblich verändern – und den Aufenthalt der Gäste beeinflussen. Der öffentliche Raum wird auf neue Art und Weise erlebbar, und überall tritt Neues an die Seite von Altem. Hinzu kommt, dass Projekte in Planung sind, welche die Kultur und die Geschichte der Thermen vermitteln.

«Das Bäderquartier besitzt eine Anziehung, die weit über das Thermalwasser hinausgeht», hält Schneider fest. «Die Geschichte und die Atmosphäre, die man bei jedem Schritt durch das Quartier spürt, das ist etwas Einmaliges. Und diese Atmosphäre gilt es zu betonen und weiterzuentwickeln.»

 

 

Ein Brunnen für alle
Zu dieser Atmosphäre will auch das Projekt «Heisser Brunnen» Entscheidendes beitragen. Die Idee des Projekts besteht darin, einen fixen Brunnen mit Thermalwasser unter freiem Himmel zu installieren. Der Brunnen ist frei zugänglich und lädt alle zum Verweilen am und im Wasser ein.

«Das Projekt greift eine alte Idee auf», sagt Schneider und verweist auf die Geschichte. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts gab es zwei öffentliche Becken auf dem Kurplatz, dem Hauptplatz des Quartiers. Die Becken waren für die Laufkundschaft und die einfache Bevölkerung bestimmt. «Die Stadt Baden steht dem ‹Heissen Brunnen› positiv gegenüber. Und wir freuen uns, dass es von der Regionalen für die Projektschau 2025 aufgenommen wurde.»

Pius Graf betont das grosse Potenzial des Projekts: «Auch Ennetbaden sagt klar ja zum ‹Heissen Brunnen›. Wir prüfen sogar die Möglichkeit, einen zweiten Brunnen auf unserer Seite der Limmat aufzustellen. Der ‹Heisse Brunnen› dient als zusätzlicher Magnet für das Bäderquartier und wird die Neuausrichtung mitprägen.»

Das sei ihm übrigens nicht nur als Gemeindeammann von Ennetbaden wichtig, sondern auch als Präsident des Bädervereins Baden. «Der Verein wurde letztes Jahr gegründet. Er verfolgt unter anderem das Ziel, die Identifikation der Bevölkerung mit den Bädern sowie deren Zugänglichkeit und Positionierung zu fördern.»

Markus Schneider gehört dem Vorstand des neuen Bädervereins an. Er unterstreicht: «Wir wollen die kulturelle Bedeutung der Thermalquellen reaktivieren und die verschiedenen Akteure an einen Tisch bringen und miteinander vernetzen.»

Das könnte sich beim «Heissen Brunnen» bereits auszahlen. «Es stehen noch einige Fragen im Raum», so der Badener Stadtammann, «Fragen zum konkreten Betrieb und Unterhalt des ‹Heissen Brunnens›. Auch die Hygiene, die sehr wichtig ist, muss sichergestellt werden.»

«Ein Brunnen ist kein Bad», ergänzt Pius Graf diesen Punkt. «Zudem darf keine zusätzliche Infrastruktur gebaut werden. Es stellen sich also andere Anforderungen als an ein Bad.»

Zu diesen Fragen liegen konkrete Lösungsvorschläge auf dem Tisch, namentlich vom Verein Bagni Popolari, der hinter dem Projekt «Heisser Brunnen» steht. «Ich bin zuversichtlich, dass wir gemeinsam eine Lösung finden, die alle mittragen können», sagt der Stadtammann von Baden.

Ein Geschenk für das Limmattal
Markus Schneider kommt auf die Bedeutung der Umgebung zurück: «Es muss uns gelingen, die Bäder mit dem Angebot der Stadt und der Region zu verbinden. Das ist die Stossrichtung der Neuausrichtung.» Und er denkt damit auch an die wesentliche Rolle der Regionalen 2025: «Ein Projekt wie der ‹Heisse Brunnen› reiht sich in die Kette verschiedener Initiativen entlang der Limmat ein. Das sind allesamt Initiativen, die von der Regionalen 2025 vorangetrieben werden. Das kommt uns und allen anderen Gemeinden und Städten im Limmattal zugute.»

Pius Graf pflichtet dem bei: «Die Regionale 2025 unterstützt uns in dieser Entwicklung. Der gesamte Raum des Limmattals wird davon profitieren. Davon bin ich felsenfest überzeugt.»

Die Thermalquellen sind ein Riesengeschenk des Himmels. Sie sind ein Geschenk für die Stadt Baden und die Gemeinde Ennetbaden. Aber genauso – und das sollte man sich öfter bewusst machen – für das Limmattal. Ab Herbst 2020 beginnt dort eine neue Ära.

Heilendes Wasser

Das Thermalwasser am Limmatknie bei Baden und Ennetbaden steigt auf natürliche Weise an die Oberfläche. Es stammt aus einer Tiefe von über 1000 Metern und gilt als das mineralreichste der Schweiz. Die Wassertemperatur liegt bei etwa 47 Grad Celsius. Die 21 Quellen – 18 auf Badener und 3 auf Ennetbadener Boden – fördern im Schnitt eine Wassermenge von einer Million Litern täglich. Die Heilkraft des Wassers wird auf die darin gelösten Mineralien und Spurenelemente sowie auf die hohe Temperatur zurückgeführt.

Stadtammann Markus Schneider
Markus Schneider ist seit Anfang 2018 Stadtammann von Baden. Der CVP-Politiker wuchs in Baden auf. Er ist oft zu Fuss im Gebiet der Bäder unterwegs. In letzter Zeit nimmt er dort die vielen Baustellen in Augenschein. Der 53-Jährige ist Vorstandsmitglied des Bädervereins Baden.

baden.ch

Gemeindeammann Pius Graf
Pius Graf ist seit 2010 Gemeindeammann von Ennetbaden. Der 57-Jährige ist SP-Mitglied. Thermalquellen und allgemein das warme Wasser üben eine besondere Faszination auf ihn aus. Pius Graf ist Präsident des Bädervereins Baden.

ennetbaden.ch

«Heisser Brunnen» trumpft auf
Im Mai 2018 gewann der «Heisse Brunnen» beim Ideenwettbewerb zum Programm «Kulturerbe für alle» des Bundesamts für Kultur eine Auszeichnung. Die Idee aus Baden setzte sich gemeinsam mit zehn anderen Projekten gegen mehr als 300 Eingaben durch. Für den nachfolgenden Projektwettbewerb wird die Idee gegenwärtig weiterentwickelt. Das Kulturerbe umfasst sämtliche Spuren früherer Generationen. Diese Spuren verbinden die Menschen über die Zeit hinweg und stützen das Zusammengehörigkeitsgefühl einer Gemeinschaft.

kulturerbefueralle.ch
bagnopopolare.ch

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