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In jedem guten Handbuch der Projektarbeit steht der Satz: Erfolge müssen gefeiert werden. In der Schweiz sorgt dieser Satz öfter für Stirnrunzeln. Man klopft sich ungern selbst auf die Schulter. Die Alltagskultur sperrt sich dagegen, und schon Kinder wissen: Hochmut kommt vor dem Fall. Deshalb stellt man das eigene Licht lieber unter den Scheffel. Bescheidenheit und Zurückhaltung sind Trumpf.

Doch: Das Feiern von Erfolgen würdigt die eigenen Anstrengungen. Es stärkt das Selbstbewusstsein und beflügelt die Motivation, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen. Auch fördert das Feiern den Zusammenhalt im Team oder innerhalb einer Gemeinschaft. Man sollte das Feiern ergo nicht einfach übergehen. Es hat Substanz.

Dass Erfolge gefeiert werden müssen, wurde auch an der Fachtagung der Regionale 2025 vom 10. April 2025 betont. Die ganztägige Veranstaltung mit dem Titel «Reflexion. Fazit. Ausblick. 10 Jahre Regionale Limmattal» zog eine erste Bilanz der Arbeit der Regionale 2025 und richtete den Blick in die Zukunft. Rund 140 Personen nahmen daran teil und trafen sich auf der Klosterhalbinsel Wettingen. Neben Referaten, Workshops und Diskussionssessions ergänzten kleine Erkundungen der Umgebung das abwechslungsreiche Tagungsprogramm.

Motor der Projektumsetzung
Sicher ist: Die Regionale 2025 hat vieles auf den Weg gebracht. Dank ihrer Hilfe haben Einzelpersonen, Gemeinden und Vereine wegweisende Projekte zur Weiterentwicklung des Limmattals erfolgreich umgesetzt. Die Regionale 2025 gab Anstossimpulse, stellte fachliche sowie organisatorische Unterstützung bereit oder trug dazu bei, eine Finanzierung zu finden. Die Aufgaben waren vielschichtig, ebenso die Lösungen, die die agile Geschäftsstelle der Regionale 2025 dafür aufzeigte.

Der Geschäftsleiter der Regionale 2025, Peter Wolf, gibt zu bedenken: «Als wir unsere Arbeit aufnahmen, kannte das Format der ‹Regionale› kaum jemand. Mittlerweile wissen viele, welchen Beitrag wir für das Limmattal geleistet haben und nach wie vor leisten.»

Was das konkret bedeutet, lässt sich zwischen Mai und Oktober dieses Jahres vor Ort im Limmattal erleben. Die grosse Projektschau stellt rund 30 Projekte vor, die die Fortentwicklung des Tals exemplarisch aufzeigen. Wolf dazu: «Jedes Projekt greift eine Herausforderung des Limmattals auf und präsentiert eine innovative Antwort darauf.» Und weiter: «Die Lösungen stellen einen direkten Bezug her zur Lebensrealität der Limmattalerinnen und Limmattaler. Die Regionale 2025 diente, wie bereits erwähnt, als Motor der Projektumsetzung. Wir haben die Realisierung zielgerichtet und unermüdlich vorangetrieben.»

Nichts für Solisten
Auf der Klosterhalbinsel zugegen war auch der Zürcher Stadtrat André Odermatt. Er sagte: «Ich durfte in den vergangenen Jahren bereichernde Begegnungen mit anderen Limmattaler Gemeinden machen». Anton Möckel, der Gemeindeammann von Würenlos, erklärte: «Die Bereitschaft, zusammenzuarbeiten, ist im Limmattal gross.» Das sind zwei Antworten auf die Frage, was die Regionale 2025 seit ihrer Gründung im Jahr 2015 erreicht hat. Sie stehen stellvertretend für zwei Erkenntnisse: Die Regionale 2025 hat Gemeinschaftsmomente geschaffen und das Bewusstsein dafür geschärft, dass taltypische Herausforderungen einzig durch Zusammenarbeit zu bewältigen sind.

Eine Hauptsäule dieser Zusammenarbeit bildet das gemeinsame Verständnis dieser Herausforderungen. Es erwächst aus dem Bewusstsein einer raumweiten Verbundenheit. Oder anders ausgedrückt: Man sitzt als Schicksalsgemeinschaft im selben Boot.

Miteinander denken, zusammen planen und gemeinschaftlich umsetzen – das ist die Leitidee der Zusammenarbeit im Raum. Sie formuliert eine Vision für die Region und schlägt Brücken über die darin wirkenden Grenzen. Solistinnen und Solisten bekunden Mühe, sich in ein solches Zusammengehen einzuordnen.

Peter Wolf hält zudem fest: «Viele der von uns unterstützten Projekte setzten von Beginn an eine regionale Koordination voraus. Daher musste der Austausch über die Gemeinde- und Kantonsgrenzen hinweg intensiviert werden. Wir haben diese Zusammenarbeit deutlich gestärkt, insbesondere in der Politik und Verwaltung.»

«Eine ganzheitliche Optik»
Entstanden ist auch ein nützliches Netzwerk unter den Projektträgerinnen und -trägern. Sie tauschen Erfahrungen, Kontakte und Know-how aus. Daraus sind auch separate Events hervorgegangen sowie neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit. Das generiert einen kulturellen Mehrwert für die gesamte Region.

An der Fachtagung nahmen Fachpersonen aus dem Bereich Standort- und Regionalentwicklung, Expertinnen und Experten der Kulturförderung, interessierte Kreise aus Politik und Verwaltung sowie die bereits angesprochenen Projektträgerinnen und -träger teil. Sie freuten sich, einen Einblick in die Tätigkeit der Regionale 2025 zu erhalten.

«Diese Tätigkeit ist vielfältig und belegt unsere ganzheitliche Optik», sagt Wolf. «Wir hatten die Stärkung des Naturerlebnisses im Blick, genauso den Schutz der Landschaft und die Förderung des sozialen Miteinanders. Wir griffen auch wenig beachtete Themen auf, etwa die Lichtverschmutzung oder das Klangerlebnis im Tal.»

Die Tagung rückte diese Themen anhand ausgewählter Projekte ins Zentrum. Diskutiert wurde unter anderem die Frage, wie Gartenareale künftig aussehen könnten oder wie eine Gemeinschaft überhaupt entsteht. Nicht fehlen durfte die Fragestellung, wie der öffentliche Raum zu gestalten ist, um den Bedürfnissen der Jugendlichen gerecht zu werden. Die Anliegen der jungen Generation standen auch in einem «Labor der Zukunft» im Vordergrund. Dort wurden die von Studierenden erarbeiteten Zukunftsbilder sowie Zukunftsfragen für das Limmattal präsentiert und besprochen.

Der Mensch und seine Bedürfnisse
Ende 2025 löst sich die Regionale 2025 auf. «Sie stellte von Anfang an eine Initiative auf Zeit dar», erklärt Wolf. Ob und in welcher Form ihre Arbeit fortgeführt wird, ist derzeit offen. «Das Limmattal wird weiterhin wachsen. Wir dürfen uns nicht auf dem Erreichten ausruhen. Neue Ideen und neuartige Formen der Zusammenarbeit bleiben nach wie vor entscheidend für die Weiterentwicklung. Unsere Arbeit sollte deshalb fortgesetzt werden, unabhängig davon, von wem und in welcher Form.»

Eine andere Erkenntnis der Fachtagung lautet: Der von der Regionale 2025 gewählte Ansatz – die direkte Unterstützung von Projekten und eine Projektschau, die diese einer breiten Öffentlichkeit vorstellt – ist in der Praxis umsetzbar.

Wolf meint dazu: «Diese Erfahrung lässt sich auf andere Regionen übertragen. Das Format ‹Regionale› bietet sich primär für Regionen an, die im Wandel begriffen sind und den politischen Willen besitzen, diesen Wandel aktiv zu gestalten. Unsere Arbeit hat Einfluss auf die gesamte Schweiz und lenkt das Interesse auf das Limmattal. Das unterstreicht dessen Bedeutung und stärkt dessen Image.»

Eine weitere Einsicht verdient besondere Beachtung: «Entscheidend sind die Menschen vor Ort», so Wolf. «Sie wollen etwas bewegen und engagieren sich. Ohne sie entfaltet eine ‹Regionale› kaum Wirkung.» Das heisst, es sind die Menschen mit ihren Ideen, die eine Region in die Zukunft führen. Die Regionale 2025 hat das gezeigt. Sie hat auch gezeigt, wie sich Wege zur Umsetzung von Ideen ebnen lassen und wie die Handlungsfähigkeit der Menschen gestärkt wird.

Worauf es ankommt, ist Kooperation, Kreativität und die Erfahrung, dass die Zukunft offen und gestaltbar ist. Und – wie eingangs erwähnt – erzielte Erfolge sollten mit einer Feier begangen werden. Auch das ist es, was eine Region nach vorn bringt.

 

Fotos: Lea Della Zassa